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Dienstag, 29. März 11

IWF erteilt der Schweiz gute Noten

Die IWF-Experten stellen der Schweizer Wirtschaft ein gutes Zeugnis aus: Die wirtschaftliche Erholung sei breit abgestützt. Probleme orten die Experten im Immobilienmarkt.

 

Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft ist aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) breit abgestützt. Die Erholung von der Wirtschaftskrise sei vor allem auf die tiefen Zinsen und die geringe Arbeitslosigkeit zurück zu führen, schreiben die IWF-Experten in ihrem jährlichen Länderbericht. Auch habe die Zuwanderung der Wirtschaft Schub verliehen.

Laxe Vergabe von Hypotheken
Sorgen macht dem IWF die Situation auf dem Schweizer Immobilienmarkt. Im Häusermarkt seien präventive Massnahmen der Behörden angezeigt, raten die Experten. Obwohl der IWF keine eigentliche Immobilienblase ausmacht, sieht er bei Banken dennoch Anzeichen für eine laxere Vergabe von Hypothekarkrediten.

Zudem vergäben Banken vermehrt langfristige Festhypotheken. Dadurch seien sie einer Zinserhöhung der Nationalbank stärker ausgesetzt. Steigt das Zinsniveau, geraten Banken unter Druck, die Kredite zu einem tiefen Zins gewährt haben.

Um das «wachsende Risiko» im Hypothekarmarkt zu senken, schlägt der IWF schärfere Kapitalvorschriften für Banken vor, die zu leichtfertig Kredite vergeben. Nötigenfalls müssten dem ganzen Bankensektor strengere Vorgaben gemacht werden, beispielsweise in Bezug auf die Kreditwürdigkeit von Hypothekarschuldnern.

Zinsen bald wieder anheben
Grundsätzlich ist die Schweizer Wirtschaft laut IWF aber in guter Verfassung. «Es ist ein starkes Wachstum im Gange», sagte die Leiterin der IWF-Delegation, Claire Waysand, vor den Medien in Bern. Das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr schätzt der IWF auf 2,4 Prozent. 

Im nächsten Jahr dürfte sich das Wachstum wegen sinkender Exporte auf 1,8 Prozent abschwächen. Blieben ausserordentliche Ereignisse aus, könne die Schweizerische Nationalbank (SNB) aber schon bald die rekordtiefen Zinsen anheben. Mittelfristig müsse die SNB ihr Eigenkapital wieder stärken.

Franken nicht überbewertet
Obwohl sich der Franken gegenüber den wichtigsten Währungen deutlich aufgewertet hat, ist er gemäss IWF angesichts des Leistungsbilanzüberschusses der Schweiz nicht überbewertet. In diesem Punkt habe die Nationalbank eine andere Meinung, sagte SNB-Chefökonom Thomas Moser an der Veranstaltung.

Lobende Worte fanden die IWF-Verantwortlichen für die geplante Grossbankenregulierung - die Vorschläge der «Too-big-to-fail»-Expertengruppe. Sie warnten davor, die Vorlage im Parlament durch Eigenmittel-Rabatte zu verwässern.

Jährliche Evaluation
Der IWF nimmt jedes Jahr die Wirtschaft der Mitgliedsländer unter die Lupe. Zu diesem Zweck weilte eine Delegation vergangene Woche in der Schweiz. Der detaillierte Bericht zur Schweiz wird jeweils im Frühling veröffentlicht. Die Evaluation sei für die Schweizer Behörden sehr wertvoll, weil sie neue Erkenntnisse vermittle, sagte Fritz Zurbrügg, der neue Direktor der Eidgenössische Finanzverwaltung (EFD). (sda)