Städtisch und lateinische Schweiz versus ländlich und Deutschschweiz

mieterverband

In den gesamthaft 2197 Wahlkreisen der Schweiz haben zur Volksabstimmung über die Mieterverbandsinitiative lediglich 195 Gemeinden einen Ja-Anteil von über 50% verzeichnet. Diese Gemeinden gehören alle zur Romandie, zum Tessin oder sind gemäss Gemeindetypologie den städtischen oder periurbanen Gemeinden zuzuordnen. Kultureller Bezug zur lateinischen Schweiz und die Wohndichte in der Gemeinde waren somit die wichtigsten Faktoren für das Abstimmungsverhalten. In Gemeinden, auf die mindestens eines der beiden Kriterien zutrifft, resultierte ein Ja-Überhang. Nicht in diese Kategorien, aber trotzdem ins Ja-Lager fallen nur die ländlichen Gemeinden Ramsen SH (53% Ja-Anteil, im Bild vorne), Lohn GR (52%) und Schelten BE (63%).

Grössere Parteitreue im linken Lager

Ein Zusammenhang des Ja-Stimmenanteils mit der Leerstandsziffer ist nicht eindeutig. Oberhalb und unterhalb der 50%-Marke finden sich Gemeinden mit grossen und tiefen Leerständen, wobei die Ziffer bei ländlichen Gemeinden mit kleinem Mietwohnungsmarkt sowieso keine Aussagekraft hat. Positiv korreliert ist die Zustimmung zur Initiative jedoch mit der Sozialhilfequote in der betreffenden Gemeinde. Wo der finanzielle Problemdruck grösser ist, tendierten Stimmbürger demnach eher zur weiteren Verstaatlichung des Mietwohnungsmarkts. Die Grenze zwischen dem Ja- und Nein-Lager verläuft etwa bei einer Sozialhilfequote von 4%.

Viel zu reden gab im Vorfeld die Linientreue zur bevorzugten Partei und die Mobilisierung der Stammwähler. Beide Parteien an den Polen – SVP und SP – konnten ihre Wähler mehrheitlich hinter sich scharen, wenn man auf den Stimmenanteil bei den Nationalen Wahlen abstützt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Initiative in der Gemeinde abgelehnt wurde, war umso grösser, je höher der Wähleranteil der SVP ist. Umgekehrt waren Gemeinden mit höherem Wähleranteil der SP tendenziell im Ja-Stimmenlager. Die Streuung der Ergebnisse waren jedoch bei der SVP augenfällig grösser und die Linientreue der Linken demnach höher. Bei der FDP ist der Zusammenhang zwar ebenfalls deutlich, die Streuung aber merklich grösser als bei der SVP. Und bei der CVP ist ein Zusammenhang gar nicht mehr feststellbar.

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