Chancen für Senioren

Eigentlich ist es für viele Menschen schon schwer genug, eine gut ausgestattete,möglichst ruhige und zahlbare Wohnung zu finden. Ärgerlich wird es, wenn beider Wohnungssuche manchmal Zufälle oder Nebensächlichkeiten Regie führen. Ein 25-jähriger erledigt seine Wohnungsbewerbung von unterwegs, übers Internet und mit seinem Smartphone. Ein 70-jähriger meldet sich vielleicht erst einen Tag später, weil er noch die Zustellung eines Formulars abwartet und dieses von Hand ausfüllt.

Im Kanton Zürich ist ein Anteil von rund 17% der Bevölkerung heute älter als 65 Jahre. Schon bald kommt eine Phase, während der die geburtenstarken Jahrgänge pensioniert werden. Die Alterspyramide erfährt in den nächsten 20 Jahren noch einmal eine markante Änderung: Die meisten Bevölkerungsprognosen lassen darauf schliessen, dass der Anteil der Seniorinnen und Senioren weiter stark steigt. «Auf dem Wohnungsmarkt hat diese Altersgruppe aber oft einen schweren Stand», sagt Dieter Beeler, Präsident des Branchenverbands SVIT Zürich. Das hat zum einen damit zu tun, dass diese Menschen nicht wie die junge Generation in die Welt der Digitalisierung und des Internets hineingewachsen sind. Sie sind im Umgang mit Online-Plattformen und neuen Kommunikationsmitteln nicht so versiert wie die Jungen; wenn dann einmal ein passendes Wohnungsangebot auf dem Markt ist, reagieren sie weniger schnell und agieren in der Praxis nicht so flexibel. «Bis sich ältere Menschen für eine Wohnung bewerben», so Beeler, « ist sie oft schon vergeben.»

Neue Wohnkonzepte für «Wohnen im Alter» mit Betreuung und Service, teils residenzähnliche Wohnformen mit allem Drum und Dran finden zwar in der Öffentlichkeit eine grosse Resonanz, kommen aber schon allein der meist hohen Kosten wegen nur für eine Minderheit infrage. Alters-WGs und Mehrgenerationenhäuser versprechen auf den ersten Blick einen innovativen Lösungsansatz – doch solche Wohnformen mit all den täglichen Fragen und Reibungsflächen eignen sich nicht für alle Menschen dieser Generation.

Kommt hinzu, dass längst nicht alle Rentnerinnen und Rentner finanziell auf grossem Fuss leben. Sicher liegen die Altersrenten heute höher als früher, den noch sucht ein überwiegender Teil der Interessenten im preisgünstigen Segment. Und damit sind sie direkt in Konkurrenz mit sehr vielen anderen Gruppen, die ebenfalls im engen Markt von preiswerten Wohnungen suchen. «Wir gehen davon aus, dass die meisten Rentner Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern suchen, und zwar in einem Bereich von 1'500 bis rund 1'800 CHF Monatsmiete», erläutert Dieter Beeler. Zu Not- und Härtefällen kann es kommen, wenn Menschen dieser Generation von einer Sanierung oder dem Abbruch eines Miethauses betroffen sind.

Der SVIT Zürich lanciert daher in Kooperation mit Pro Senectute das Projekt SVIT Senior Zürich. Im Kern geht es darum, dass sich pensionierte Profis aus der Immobilienbranche als Freiwillige melden, um Senioren bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Gute Kontakte zu den Verwaltungen, Erfahrung aus langjähriger Praxis und Kenntnisse des Wohnungsmarkts wären für Leute in sozial schwierigen Situationen Gold wert. Laut Beeler möchte man sich aber wirklich auf die schwierigen Fälle konzentrieren und nicht auf «normale» Wohnungswechsel und Umzüge. Das Pilotprojekt umfasst den Aufbau eines Coachings für ältere Menschen, Informationsveranstaltungen und ein Stück weit auch Öffentlichkeitsarbeit.

Den Verantwortlichen des SVIT Zürich ist dabei bewusst, dass sich die Aktionsgruppe auch mit gewissen Vorurteilen bei Vermietern und Verwaltungen gegenüber Senioren auseinandersetzen muss. Solche Vorurteile sind aber aus der Sicht von Dieter Beeler in der Regel unbegründet: «Die meisten Menschen dieser Generation sind angenehme Mieter. Sie halten sich an die Regeln des Zusammenlebens und haben eine gute Zahlungsmoral.»

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Deborah Nicoletti
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