Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind auch für die Immobilienwirtschaft enorm. Der SVIT Schweiz und seine Mitgliederorganisationen unterstützen ihre Mitglieder in der Corona-Krise mit Rat und Tat, sagt SVIT-Präsident Andreas Ingold.

Wie stark ist die Immobilienwirtschaft nach Ihrer Einschätzung von der Corona-Krise betroffen?

Ich muss vorausschicken, dass es ganze Sektoren sowie Tausende Unternehmen und Selbständige gibt, die von heute auf morgen am Abgrund stehen. Dass unser Staat in guten Zeiten Reserven geschaffen hat, zahlt sich jetzt hundertfach aus. Die rasche finanzielle Unterstützung hilft uns allen, schneller aus der Krise zu kommen. Zur Immobilienwirtschaft: Das ganze Ausmass wird sich erst nach und nach zeigen. Der negative Impact wird bis ins Jahr 2021 hinein zu spüren sein. Ich denke dabei an die Mietzinseinnahmen aus der Gewerbemiete, an Konkurse von Mietern, Arbeitsplatzabbau, weiter steigende Leerstände im Gewerbe- aber auch Wohnbereich und nicht zuletzt an Notverkäufe, sollte die Krise andauern.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von SVIT-Mitgliedern?

Wir verfügen über eine sehr heterogene Mitgliederstruktur. In den Tagen nach dem «Shutdown» drückte der Schuh vor allem bei tagesaktuellen Themen,  wie die bevorstehenden Umzugstermine und den Stockwerkeigentümerversammlungen. Jetzt zeichnet sich für die Unternehmen das Ausmass ab. Makler melden einen kompletten Zusammenbruch der Vermarktung, Bewirtschafter sorgen sich um ihre Mieter und deren Zahlungsfähigkeit sowie generell das Handling der Mietverhältnisse in dieser herausfordernden Zeit, anderen Dienstleistern brechen die Aufträge weg. Ganz besonders erwähnen möchte ich unsere Kolleginnen und Kollegen im Tessin. Für sie ist die Situation besonders prekär.

Was kann der Verband in dieser Situation für seine Mitglieder tun?

Die konkreten finanziellen Probleme können wir nicht lösen. Ich bin darum froh, dass auch unsere Unternehmen Zugang zu Kurzarbeitsentschädigung und Überbrückungskrediten haben. Als Verband sind wir aktuell in drei Bereichen mit allen uns zur Verfügung stehenden Ressourcen aktiv: auf der politischen Ebene einschliesslich einer intensiven Öffentlichkeits- und Lobbyingarbeit, in der Bildung und in der Beratung.

Was macht der SVIT in der Politik?

Wir standen vom ersten Tag an in engem Kontakt mit dem Bundesamt für Wohnungswesen BWO, mit unseren Parlamentariern, mit Partnerverbänden und mit den Medien. Wir dürfen es als grossen Erfolg des SVIT Schweiz verbuchen, dass der Umzugstermin schliesslich auch vom Bundesrat wieder gestützt wurde. Unsere Kampagne «Wir ziehen um!» gab den Ausschlag. Ausserdem bin ich persönlich in der Taskforce des BWO tätig, die sich jetzt – zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe – schwerpunktmässig mit dem Thema Gewerbemiete beschäftigt. Hier machen wir uns dafür stark, dass wir eine politische Lösung finden und nicht jeden einzelnen Fall mit unwägbarem Ausgang den Gerichten überlassen müssen. Alles in allem zahlt sich aus, dass wir über die letzten Jahre unsere politische Arbeit Schritt für Schritt aufgebaut haben. Persönlich wurde ich in den letzten zwei Wochen täglich mit Anfragen seitens der Medien, Immobilienverbänden und Markteilnehmern bezüglich unserer Haltung zu den verschiedenen Themen kontaktiert. Wir werden heute gehört!

Als zweites haben Sie die Bildung erwähnt.

Die SVIT School und unsere durchführenden Mitgliederorganisationen sind vom Shutdown stark betroffen. Hier arbeiten wir in zwei Richtungen: Einerseits in Richtung eines digitalen Unterrichts, um den Ausfall des Präsenzbetriebs zu kompensieren. Anderseits sind wir als Träger der Schweizerischen Fachprüfungskommission im ständigen Austausch betreffen der Prüfungstermine. Was den digitalen Betrieb betrifft, werden wir nach der Krise Bilanz ziehen.

Was heisst das?

Ich bin überzeugt, dass digitale Lernmethoden als Ergänzung zum Präsenzunterricht einen festen Platz im Lehrplan haben werden, ja müssen!

Und als dritten Bereich haben Sie die Beratung der Mitglieder erwähnt.

Unsere FAQ in Deutsch, Französisch und Italienisch zu den brennendsten Fragen rund um Corona waren vom ersten Tag an eine Referenz im gesamten Immobilienwesen – bis hinein in den Mieterverband übrigens. Unterstützt wurden wir dabei durch eine Gruppe aus sechs uns nahe stehenden Juristen. Ausserdem beobachten wir die Entwicklung aufmerksam und informieren aktiv über Änderungen via Web, Newsletter, LinkedIn, Facebook usw. Hier haben wir in den letzten Wochen einen massiven Zuwachs an neuen Kontakten verzeichnet.

Wie geht es nun weiter?

Eine Ausdehnung des Notstands über den 19. April hinaus hätte weitere einschneidende Folgen. Wir behalten dieses Szenario selbstverständlich im Auge. Aber ich deute die jüngsten Äusserungen des Bundesrats so, dass er sich auf die schrittweise Wiederaufnahme des Betriebs vorbereiten könnte.

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